Sonntag, 20. November 2011
"Afrikaner lutschen keine Bonbons mit Papier"
Am Montag hatte ich meinen ersten Arbeitstag auf der Maternity.
Auch hier sollte ich gleich den Müttern Zugänge legen. Ich hatte eine gute
Lehrerin die mir alles sehr gut erklärte. Und so werde ich es nächstes Mal
evtl. wagen. Ich hatte einen Glückstag erwischt. Innerhalt kürzester Zeit 3
Geburten mit 3 süßen, gesunden weißen Babys. Jetzt war ich nicht mehr der
einzige Wazungu auf der Station, sondern habe Verstärkung bekommen. 3 weitere
Wazungus. Am Anfang sind alle Dunklen nämlich weiß. Erst mit der Zeit (nach ein
paar Tagen) werden sie dunkel.
Die Geburten verliefen reibungslos. Die Mütter waren alle
so tapfer. Keine hat auch nur einen Mucks von sich gegeben während der Geburt.
Kein Geschrei, nichts außer Stille. Sie verhielten sich so, als würden sie das
ständig machen. Irgendwie stimmt das ja auch. Aber trotzdem sind das ja
ziemliche Schmerzen für eine Frau.
Eine der Mütter (35 Jahre) hatte auch schon fünf Kinder,
alles Mädels, da war natürlich ihre Freude groß, als ich ihr ihren Jungen
überreichte. Ein goldicher kleiner Kerl.
Für eine Andere war es die erste Geburt. Aber trotzdem
verhielt sie sich so, als ob sie nie etwas anderes gemacht hatte. Auch sie war
ganz ruhig. Nach der Geburt fragte ich nach ihrem Alter. 16!!!! Und doch schon
so erwachsen und so tapfer! Respekt! Ihr Mädchen war das Größte der drei Babys,
hatte allerdings eine Augenentzündung auf einem Auge. Aber inzwischen geht es
ihm gut.
Die dritte Geburt verlief ähnlich der anderen. Es war
auch die erste Geburt einer 20 Jährigen.
Eine Geburt verläuft folgender Maßen ab. Die werdenden
Mütter kommen in einen Raum mit zwei Betten. Legen sich auf eine der Pritschen
und sagen „das Baby kommt gleich“. Dann folgt in kürzester Zeit die Geburt. Als
Nächstes wird die Nabelschnur gekappt, noch drauf gewartet bis die Plazenta
draußen ist und dann wird auch schon aufgestanden und mit dem Baby zusammen der
Raum verlassen.
Dienstags musste ich nach Mbinga wegen meines Visums.
Natürlich habe ich diese Chance genutzt um auch wieder ein wenig einzukaufen.
Obst, Plätzchen von der Bäckerei und wie jedes Mal war ich auch bei Samuel eine
Cola trinken. Sein Geschäft ist ein typischer kleiner Container indem es fast alles gibt.
Inzwischen fängt es gegen Nachmittag ab und zu an zu
gewittern und zu regnen. Die Regenzeit kündigt sich wohl so langsam aber sicher
an.
Am Mittwoch war ich nur kurz auf der Maternity, da wir
den versäumten Computerunterricht von gestern auf heute verschoben haben. An
diesem Tag fühlte ich mich schon nicht sehr wohl.
Ab Donnerstag hieß es dann, für mich das erste Mal, im
Bett liegen bleiben. Etwas Fieber, Gliederschmerzen und dauerhafte Müdigkeit
plagten mich nun. Keine Arbeit heute!!! Heute war Bettruhe angesagt!! Mit einem
Malariatest wollte ich noch einen Tag abwarten. Abends ging ich allerdings auf
das kleine spontane Geburtstagsessen für Raphael, das Hildegart und Ich geplant
und organisiert hatten. Ich hatte einen Kuchen gebacken, Tomatensalat und
Avokadocreme gemacht. Hildegart hat Pommes, Hähnchen und eine fantastische
Wurst, Fisch, Obst… Platte gemacht. Es war ein wirklich netter Abend.
Aber danach war ich platt und reif fürs Bett. Am nächsten
Morgen ging es mir leider noch nicht besser und ich machte mich auf ins
Krankenhaus für einen Malariatest. Diagnose - Ja Malaria. Meine Symptome
sprachen auch dafür. Vor allem das Fieber. Aber da ich eine Weiße bin wurde
kurz darauf natürlich noch mal einer gemacht. Kein Malaria! Na toll! Was soll
ich jetzt glauben?!? Das konnte ich mir nun aussuchen. Jeder im Krankenhaus
fragte mich, ob ich ein Moskitonetz habe und warum ich es nicht benutzen würde.
Sie verstehen es nicht, dass man auch gestochen werden kann, wenn man bei
Dunkelheit z.B. draußen herumläuft... Die Mücken stechen einen ja nicht nur,
wenn man im Bett liegt!
Auch gehen die Gerüchte herum, dass wenn man unter einem
Moskitonetzt schläft, die Männer impotent und die Frauen unfruchtbar werden.
Dies ist auch ein Grund warum viele zum Schlafen keine Netzte verwenden.
Hildegart und Doktor Majura meinten ich solle
Malariamedikamente nehmen, da meine Symptome eindeutig seine. Also lieber
einmal zu viel als einmal zu wenig.
Allerdings machte
ich heute trotzdem meinen
Computerunterricht. Danach konnte ich mich noch genug ins Bett legen. Die
Hochzeit morgen von Doktor Wella, auf der ich eingeladen war, konnte ich jedoch
vergessen. Ich war viel zu schwach um bis nach Songea zu fahren, geschweige
denn den ganzen Tag und die ganze Nacht eine Hochzeit zu feiern.
Den Samstag verbrachte ich somit bei Hildegart, mit
Computerunterricht und natürlich wieder im Bett. Ich hatte immer noch Fieber,
war schlapp und kraftlos und hatte meine Gliederschmerzen. Mein heutiger Tag
sieht nicht viel anders aus, außer dass der Unterricht wegfällt.
Ich melde mich bald wieder,
badai
Eure Nele
Ach zum Thema AIDS
Ich hab eine Antwort auf eine meiner Fragen gefunden,
warum die Menschen hier keine Kondome verwenden. Kondome kann man nämlich
überall kaufen, auch hier in Litembo!!!
Als Antwort bekam ich (mal fei übersetzt):“ Man lutscht
ja auch kein Bonbon mit Papier!“ Soviel hier zum Thema Kondome. Ich musste und
muss immer noch darüber lachen. Irgendwie ist es doch ziemlich witzig, was die
Menschen hier manchmal für Einstellungen haben und was für Vergleiche sie
ziehen.
Sonntag, 13. November 2011
Fußball mal ganz anderst,
ja, das habe ich gestern hier erlebt!! Und es funktioniert!! Nein, es funktioniert nicht nur, es funktioniert fantastisch!! Man muss nur kreativ und weniger anspruchsvoll sein!
Das Spielfeld: Ein Hang, mit sehr vielen Stolperfallen
und Löchern.
Eine Mannschaft spielt bergauf die Andere bergab.
Ob ohne Schuhe oder mit, ob mit zwei Schuhen oder nur mit
einem, ob mit einem Flipflop oder zwei. Es ist egal wie, es wird gespielt und
zwar sehr häufig und sehr sehr gut!!
Ob mit runden oder oval förmigen Bällen. Mit gekauften oder
selbstgebastelten. Alles ist möglich. (Für die, die es nicht wissen wie man
einen Ball basteltJ
hier wird es folgendermaßen gemacht! Man nehme einen längeren, etwas festeren
Faden und knüpft ihn zu einem Netz zusammen, das etwas rundlich ist. Stopfe es
voll mit Papier oder was man sonst weiches so alles findet (Müll) und zum
Schluss knote man es zu. Fertig ist der Ball und das Spiel kann beginnen!)
Spielregeln gibt es genau die gleichen wie bei uns, genauso
wie einen Schiedsrichter.
Aber aufgepasst: Fußball wir nur von Jungs oder Männern
gespielt! Hier ist es unvorstellbar, dass es die Mädels auch spielen.
Gestern war hier ein Match zwischen den Laborschülern und
dem Krankenhausteam. Wie es ausgegangen ist weiß ich nicht so genau, da hier
jeder was anderes gesagt hat. Natürlich immer zum Vorteil für sein Team.
Das weibliche Geschlecht spielt „Netzball“. Ähnlich wie
Basketball nur ohne das Brett am Korb, sodass es viel schwieriger ist einen
Korb zu machen. Ich habe jetzt schon zweimal mitgespielt, allerdings heißt es
immer „Wasungu foul“. Die Regeln habe
ich noch nicht so ganz verstanden, da sie mir niemand erklärt hat, also heißt
es für mich- einfach mal los spielen und sehen was falsch ist.
Soviel zum Thema Sport in Tansania bzw. in Litembo! Der Hintergrund, in dem gespielt wird, ist
einfach traumhaft!!! Allein dafür lohnt es sich zuzuschauen.
Ach fast hätte ich es vergessen Volleyball soll angeblich
auch ab und zu gespielt werden. Das habe ich leider nur noch nicht mitbekommen.
Es spielen sogar beide Geschlechter und zwar auch zusammen!!!
Nun zu meinen Aufgaben hier:
Meine Mal- und Spielestunden laufen zurzeit eher weniger
gut, da wir zum einen nur Babys auf der Station haben und zum anderen, was
erfreulich ist, weil es wenig Patienten gibt. Zwischen 7-13 Kinder im Moment. Letzten
Monat waren es noch um die 20-30 Kranke.
Am Montag werde ich die Kinderstation verlassen und auf
die Früh- und Neugeborenen Station wechseln. Ich bin schon sehr gespannt!!!
Meine Malstunden auf der Kinderstation werde ich aber trotzdem weitermachen.
Der Computerunterricht mit meinen Laborschülern läuft auf
Hochtouren. Nachdem sie inzwischen ALLE den Doppelklick beherrschen und nun
eigenständig Word öffnen können, klicken sie überall darin herum und probieren
alles aus. Natürlich erkläre ich ihnen einiges, aber sie probieren vieles auch
einfach selbstständig aus. Öfter stürzt deshalb auch mal der ein oder andere PC
ab, weil sie zu viel geöffnet oder geklickt haben und nun der Computer
überfordert ist. Aber ich kann nun mal
leider nicht an allen Computern gleichzeitig aufpassen. Ich bin jedoch sehr
sehr stolz auf sie, da sie ALLE in kürzester Zeit sehr viel gelernt haben und
sehr lerneifrig sind und dankbar für alles, was ich ihnen zeige. Sie haben mich
sogar gefragt, weil es ihnen so großen Spaß macht, ob wir nicht noch ein paar
Stunden mehr in der Woche machen können. Ich bar sprachlos!!! ÄHHH!! Was???
Habe ich das richtig verstanden?? Ihr wollt sogar eure Freizeit opfern für noch
mehr Unterricht??? Puuuh!!
Also bin ich zu Raphael gegangen und habe mir seine
Einwilligung geholt. Allerdings muss ich die Stunden zu den Zeiten legen, in
denen der Generator läuft. Das ist schwierig, da er von 9.00-13.00 Uhr und von
19.00-c.a. 21.00 Uhr in Betrieb ist. Abends fällt schon mal weg und frühs haben
sie anderen oder auch meinen normalen PC Unterricht. Also bleibt nur das
Wochenende. Für so fleißige Schüler opfere ich nun 2-4 Stunden meines Wochenendes für ihren
extra Unterricht. Allerdings gebe ich ihnen keinen, sondern sie unterrichten
sich gegenseitig, arbeiten an ihren Lücken und Problemstellen oder wiederholen
Sachen, die ich ihnen in den letzten Stunden beigebracht habe. Ich habe es so
mit ihnen vereinbart, da ich festgestellte, dass solch eine Stunde ihnen mehr
bringt, als mit dem normalen Unterrichtsstoff fortzufahren. Sie finden‘s auch
klasse!!!
Das erste Mal Ugali kochen durfte ich diese Woche auch
und zwar zusammen mit Bernadeta. Unser Ugali bestand aus Mehl und Wasser. Man
kann ihn auch anstatt aus Mehl mit Maniok, Reis oder Mais machen. Dazu gab es
Maharage (Bohnen), Dagah (kl. Fische), gekochte Ndizi (Bananen) und Kartoffeln.
Letzten Montag war ein großes Fest hier in Litembo zu
Ehren des „neuen“ Bischofs. (Inzwischen ist er ja schon länger in seinem Amt)
Es wurde ein großer Gottesdienst gehalten, getanzt, gesungen und natürlich
gegessen und getrunken.
Beantwortung der Deaschen Fragen:
1) Gibt es bei euch sowas wie eine Intensivstation mit Beatmungsmaschinen?
1) Gibt es bei euch sowas wie eine Intensivstation mit Beatmungsmaschinen?
Auf der Kinderstation weiß ich gibt es eine
Beatmungsmaschine, die jedoch nur im äußersten Notfall verwendet wird.
2)Fährst du demnächst noch mal auf Ausseneinsatz?
2)Fährst du demnächst noch mal auf Ausseneinsatz?
Nee, erst mal nicht mehr.
3) Hast du schon gefährliche Tiere gesichtet? Löwen, Schlangen oder ekelige Spinnen?
Schlangen, eklige Spinnen und sonstiges Ungeziefer schon.
Löwen … gibt es hier nicht. Nur in den
Nationalparks.
4) Trinkt man im tansanianischen Krankenhaus auch so viel Kaffee wie bei uns?
4) Trinkt man im tansanianischen Krankenhaus auch so viel Kaffee wie bei uns?
Nein, hier wird
eher Chai (Tee) getrunken in der Kantine.
5)Hast du im Krankenhaus Schwesterntracht an?
Sooo das wars ersmal wieder!!
Bis bald
eure Nele
Freitag, 4. November 2011
Donnerstag, 3. November 2011
Ich melde mich mal wieder aus dem traumhaften Tansania
Und schon wieder sind einige Wochen ganz schön schnell
vergangen, seitdem ich mich das letzte Mal gemeldet habe. In kürzester Zeit
erlebe ich hier sehr viel.
Erst Mal, mir geht es super gut und ich fühle mich hier
richtig wohl!
Sooo fangen wir mal bei meiner Arbeit im Hospital an:
Die Arbeit auf der Kinderstation gefällt mir immer
besser, aber wird auch immer härter.
Ich weigere mich immer noch Zugänge zu legen. Ich möchte
mich nicht an den kleinen Kindern versuchen, die eh schon genügend Schmerzen
haben. Also widme ich mich lieber der Schreibarbeit auf der Station, was aber
nicht heißt, dass ich nicht unter den Patienten bin. Ich nehme die
Neuanmeldungen entgegen und bringe mal ein wenig Konzept in die
Verwaltungsbücher. Diese werden nämlich vernachlässigt und nicht so regelmäßig
geführt. Auch die monatlichen Tabellen mit der Anzahl der Patienten und deren
Krankheiten, sowie die Anzahl der Todesfälle in diesem Monat werden nicht
ordentlich aufgelistet. Fast alle Patienten, nein alle Patienten haben Malaria
und zusätzlich dann noch Lungenentzündung oder Durchfall, Asthma oder
Verstopfung, Herzprobleme und und und. Aber meistens werden sie nur gegen
Malaria behandelt. Auch wenn sie an Malaria eigentlich gar nicht erkrankt sind,
bekommen sie die Malariamedikamente. Die Patienten wollen nämlich eigentlich
nur die Diagnose Malaria hören, weil dafür es Medikamente gibt.
Lungenentzündung z.B. haben die meisten Aidskranken. Also wollen sie diese
Diagnose erstrecht nicht wahrhaben. Deswegen bevorzugen sie nur die
Malariabehandlung. Über die Krankheit Aids habe ich in keinem Buch den
geringsten Hinweis gefunden. Sie wird einfach totgeschwiegen!!! Wenn jemand
stirbt, dann nicht an Aids, sondern an Malaria. Wenn jemand krank ist, dann
kommt das nicht von seiner eigentlichen Krankheit Aids, sondern von Malaria. In
allen Büchern lese ich nur Malaria, Malaria und Malaria. Aber nicht das
Geringste steht über Aids in den Büchern. Also sind die Tabellen eigentlich
alle falsch, leider.
Neulich musste John darunter leiden, glaube ich. Ein
wirklich süßer kleiner Junge. Er kam so zu sagen fast am gleichen Tag wie ich
auf die Kinderstation- wir beiden waren die Frischlinge. Er hatte wie alle
Patienten Malaria, aber auch Lungenentzündung. Es ging ihm wirklich sehr
schlecht, diesem kleinen, dünnen, schwarzen Häufchen Etwas. Aber zu meiner
Freude kämpfte er sich Tag für Tag durch. Tag für Tag rang er mit dem Leben.
Und Tag für Tag gewann ER!! Ich dachte und hatte den Eindruck, dass es ihm Tag
für Tag besser gehen würde, aber das war ein Fehler. Nach 10 unendlich langen
und harten Tagen des Kampfes, hatte der kleine John nun keine Kraft mehr zum
Kämpfen. Seine Mutter hatte es nicht mal gemerkt. Sie kam zu uns ins
Behandlungszimmer mit ihrem leblosen Sohn im Arm. Wir konnten nichts mehr für
ihn machen. Es war alles umsonst. Ich stand da und begriff die Welt nicht mehr.
Was ist das für eine Welt in der wir leben? Ist sie gerecht? Warum musste ein
so kleines, unschuldiges Wesen, das von unserer eigentlich doch so schönen Welt
noch überhaupt nichts gesehen hat, nun doch schon sterben? Warum? Wer
entscheidet überhaupt über Tot und Leben? Wir selber?
Er lag so friedlich in den Armen seiner Mutter. Schön
sicher, geborgen und warm eingewickelt in seine Tücher, sodass es eigentlich
nur so aussah, als ob der kleine John einfach nur schlafen würde. Ja er schlief
auch und zwar für immer!!
Für die Toten gibt es eigentlich einen extra Raum, wo sie
aufbewahrt werden, bis die Krankenhausgebühren von den Angehörigen bezahlt
werden. Erst nach der Bezahlung werden die Leichen an die Familie gegeben. Doch
bis die Toten in diesen Raum kommen vergeht sehr viel Zeit, denn die gibt es
hier in Afrika ja zur Genüge. Das bedeutet, dass die toten Körper auf der
Station erst mal liegen bleiben. Meist liegen sie auf der Pritsche im
Behandlungszimmer neben den anderen noch lebenden Kindern, die gerade ihre
Infusion bekommen. Ist ein normaler Anblick hier! Wenn die Familie dann die
Toten holt, um sie bei sich im Dorf zu beerdigen, vergeht mal so ein halber bis
ganzer Tag. Na und wie werden die Toten nach Hause transportiert? Ist doch
klar! Im Dalla Dalla, der vollgestopft ist mit Menschen und Tieren. Da passt
ein Toter doch auch noch gut dazu!!
Wie eine afrikanische Beerdigung aussieht und abläuft
weiß ich noch nicht, aber ich denke es kommt darauf an welcher Religion die
tote Person angehörte, ob dem Christentum oder dem Islam. Auch denke ich, dass
es eine Rolle spielt wer gestorben ist, ob Frau oder Mann, Kind oder Greis.
Kurz gesagt welchen Stand hatte die tote Person in der Familie.
Zu meinen Aufgaben auf Station gehören noch
das Mitprotokolieren während der
Doctor‘s Round, die Entlassungspapiere der Patienten korrigieren und wenn nötig
(eigentlich immer) Fehlendes ergänzen. Außerdem die benötigten Medikamente und
medizinischen Utensilien, wie Spritzen und Verbände, aus dem Store holen. Beim
Putzen mithelfen und weil ich ab 12 Uhr meistens schon mit der Arbeit fertig
bin, habe ich mir noch eine neue Aufgabe gesucht. Seit Neustem gibt es auf der
Kinderstation auch noch von 12.00 bis 13.00 Uhr die Spiele- und Malstunde. Ich
dachte mir, dass doch auch die kranken Kinder am Tag eine schöne Stunde haben
können und in dieser Stunde vergessen sie dann all ihre Sorgen und Schmerzen.
Und da ich eh meistens schon mit meiner Arbeit früher fertig bin, habe ich
Raphael und die Stationsleitung gefragt, ob ich mit den Kleinen denn malen
dürfte. Sie waren natürlich total begeistert und nun gibt es montags, mittwochs
und donnerstags die Mal- und Spielestunde auf der Kinderstation. Vom 20.09-
23.09 war ich eh mit Hildegart in Songea und Peramiho unterwegs, unter anderem
um mir ein neues Handy zu kaufen und dann habe ich gleich auch für meine lieben
Krankenhauskinder eingekauft. Buntes Papier, Malstifte und ein paar
Kuscheltiere. Auch habe ich ein paar Plakate gemalt und sie überall im
Krankenhaus aufgehängt, damit sich die Malstunde herumspricht, nicht dass ich
sonst alleine sitze und kein Kind da ist. Am Montag den 24.09 war es dann für
meine erste „Kinderbespaßung“ soweit. Hildegart hat auch noch einige
Kuscheltiere, Malbücher und Stifte gespendet, die sie bei sich gefunden hatte.
Und so konnte ich frohen Mutes loslegen. Jetzt fehlten nur noch die Kinder. Ja
und so war es auch. Sie fehlten!! Keins traute sich, aber als das Erste
angefangen hatte, setzte sich das Zweite und Dritte auch schon dazu. Allerdings
war es schwieriger als erwartet. Ich wusste ja, dass auf der Kinderstation
zurzeit eher Babys sind, also rechnete ich gar nicht mit so vielen Kindern.
Aber die, die kamen wussten nicht mal was ein Stift ist und wie man ihn hält.
Also fing ich ganz von vorne an! Wie halte ich einen Stift? Was ist überhaupt
ein Stift? Das war ein sehr lehrreiches Erlebnis für mich! Am Ende allerdings
malten sie alle! Ach das war ein schöner Anblick! In der nächsten Malstunde war
sogar ein Junge mit seinem Vater dabei. Der Vater war, glaube ich, etwas
gebildeter und nutzte diese Gelegenheit sogar dazu, seinem Sohn die Zahlen von
1-10 beizubringen. Zum Schluss beherrschte sie der Kleine alle hervorragend! Da
ging mir mein Herz auf!! Und nicht nur der Kleine strahlte übers ganze Gesicht,
nein, ich auch!!!
In dieser Malstunde hatte
ich noch ein glückliches Erlebnis.
In den letzten beiden Wochen
waren zwei deutsche Ärzte hier. Ein Augenarzt und ein Chirurg. Der Chirurg
machte ganz viele Kropfoperationen und der Augenarzt operierte mit seinem Team
bis spät in die Nächte hinein. Natürlich nutzte ich diese Gelegenheit und
schaute bei ein paar Augenoperationen zu. Wirklich beeindruckend was für eine
überaus ruhige Hand man braucht. Die beiden Ärzte haben wirklich eine
hervorragende Arbeit hier geleistet, die von allen natürlich sehr geschätzt
wurde. Wir alle sind ihnen sehr dankbar und freuen uns schon auf Ihren nächsten
Besuch. Für mich war es ein spannendes Erlebnis! Mir standen Freudentränen in
den Augen, als wir einem 12 jährigen blinden Mädchen, das nur dunkel und hell
wahrnehmen konnte, bei der Nachvisite die Augenbinden von den Augen genommen
haben und sie nach all den Jahren der Blindheit zum ersten Mal sehen konnte.
Diese freudestrahlenden Augen und ihr überraschtes Gesicht werde ich NIEMALS mehr
in meinem Leben vergessen können! NIEMALS!!
Und zu meiner Überraschung
war dieses Mädchen auch das Erste, das zu meiner ersten Malstunde kam. Sie hat
wirklich ein wunderschönes Bild gemalt!!! Dieses Erlebnis hat mich so glücklich
gemacht und gestäkt!! Außerdem hat es mir gezeigt, wozu solche Arbeit doch
führen kann. Neben den vielen erschreckenden und grausamen Dingen, die man hier
erlebt, was für wunderwunderschöne es doch auch gibt. Und für diese lohnt sich
Alles!!! Wirklich Alles!!
Bei meiner Reise mit
Hildegart nach Songea und Peramiho habe ich bei den anderen Freiwilligen
gewohnt. Es tat gut sie mal wieder zu sehen. Natürlich haben wir uns kräftig
ausgetauscht und festgestellt, dass wir mit einigen Erlebnissen nicht alleine
sind, aber das doch auch jeder verschiedene Erlebnisse und andere Eindrücke
gemacht hat.
Durch Hildegart habe ich
Gabi in Peramiho kennen gelernt. Sie hat bei mir wirklich einen bleibenden
Eindruck hinterlassen. Sie ist einer der Menschen, die ihre eigene kleine Farm
in Afrika haben. Total schnuckelig, aber sehr sehr sehr viel Arbeit! Kraft,
Schweiß und gute Nerven sind hierfür notwendig! Ansonsten geht das nicht!!! Sie
lebt auf ihrer Farm ganz alleine mit ihren Tieren und versorgt sich selbst!
Neben meinen Aufgaben auf
der Kinderstation, habe ich noch das Vergnügen, den Laborschülern der
Litembolaborschule Computerunterricht zu geben. Sie haben nur Theorieunterricht
und keinen Lehrer für die Praxis, also fragte mich Raphael, ob ich sie nicht in
Word und PowerPoint unterrichten könnte. Natürlich machte ich ihm den Gefallen
und nun gebe ICH zweimal die Woche, dienstags und freitags, für zwei Stunden
Computerunterricht. Meine ersten Stunden liefen katastrophal. 52 Schüler und 16
Computer von denen 3 nicht tauglich waren. Wie soll man da unterrichten?? Also
erst mal diese große Gruppe teilen, dann sind es „nur noch“ 26! Wobei diese
Gruppe von 52 Schülern eine kleine ist. Normalerweise sind in Klassen ca.
zwischen 80 und 120 Schüler. Auch haben sie eine beträchtliche Altersspanne.
Sie sind zwischen 20 und 34 Jahren.
Inzwischen war ich schon in
Mbinga bei Kobi gewesen und habe noch 4 weitere Computer für meinen Unterricht
besorgt und die Kaputten repariert. Nun habe ich 20 Computer für jeweils 26
Schüler. Schon viel viel besser!! Mein Unterricht läuft inzwischen einwandfrei.
Die Schüler lernen eifrig und stellen sich bei Weitem nicht so ungeschickt an,
wie ich es anfangs gedacht bzw. befürchtet hatte. Ich habe mit ihnen
vereinbart, dass ich nicht nur ihre Lehrerein bin und sie nicht nur meine
Schüle, sondern auch umgekehrt. Ich lerne von ihnen Kiswaheli und sie von mir
den Umgang mit Word… Sie finden es klasse und sind genauso streng mit mir, wie
ich mit ihnen. Ich mache Fortschritte und sie auch! Wir verstehen uns Prima und
haben eine Menge Spaß miteinander.
Am 28.09. sollte ich mit dem
Krankenhausfahrer nach Mbinga düsen, um die neuen PCs abzuholen. Dann ist noch
eine Schwester aus dem Kloster hier mitgefahren, die das komplette Auto mit
Salz-, Getreidesäcken… beladen hat und eigentlich sollte einer unserer beiden
Doktoren noch mitfahren. Er war der eigentliche Grund für unsere längere Fahrt,
die uns über Songea führen sollte. Natürlich hatte er auch Gepäck, 2
Motorräder!!! Na das konnte was werden!! Es war das erste Mal hier, dass ich
erlebt habe, dass jemand nicht mitfahren konnte, weil das Auto wirklich bis auf
die kleinste Lück vollgestopft war. Und trotz dem vielen Gepäck passten
insgesamt 7 Personen in den Jeap. Und so unbequem ging die Fahrt bis nach
Songea, 3,5 Stunden. Dort luden wir den Doktor an seinem Elternhaus ab. Und er
lud uns noch zum Essen in eine Kneipe ein. Ugali & 1 komplettes Schwein
verdrückten wir zu 4! Hier wird mit den Händen gegessen. Das ist gar nicht so
leicht, aber es macht mir tierisch viel Spaß. Und schmecken tut es auch sehr
gut, wenn doch nur nicht alles so fettig wäre!!! Ich verstand mich wirklich
prima mit unserem Doc. Er ist erst 28, ist schon ein fertiger Doktor und möchte
nächstes oder übernächstes Jahr seinen Facharzt in Chirurgie machen. Aber jetzt
am 19.11 heißt es für ihn erst einmal HEIRATEN und ich bin auch herzlich
eingeladen worden mitzufeiern!! Bin schon sehr gespannt auf eine afrikanische
Hochzeit und seine Braut, die ich noch nicht kennen gelernt habe. Find es aber
richtig super, dass ich dabei sein darf!! Geheiratet und gefeiert wird nicht
hier in Litembo, sondern in Songea.
Meine Hundebabys entwickeln
sich prächtig! Laufen, laufen und plums sitzen sie wieder auf ihrem Popo! Total
goldich! Inzwischen fangen sie auch schon langsam an miteinander zu raufen! Das
sieht so süß aus! Da kann man ihnen Stunden lang zuschauen.
Aber erst waren es 5, dann
waren es nur noch 4 und jetzt sind es nur noch 3! Leider! Der 5 ist ja schon
sehr bald gestorben und der 4 ist auf sonderbare Art und Weise einfach
verschwunden! Angeblich soll er geklaut worden sein, aber das kann ich mir
nicht vorstellen! Das würde doch die Hundemama niemals zulassen!? Ich habe
allen noch keine Namen gegeben, da noch nicht genau feststeht welche bleiben
und welcher verkauft wird. Zum Selbstschutz so zu sagen, damit mir der Abschied
nicht ganz so schwer fällt!
Zu
Dea’s noch unbeantworteten Fragen!!!
1) Bist
du immer noch alleine im Gästehaus, oder gibt es Gesellschaft?
è Seit
diesem Dienstag habe ich neben meinen vielen ungebetenen Gästen ;-), einen
neuen Gast bekommen. Ein Mädchen in meinem Alter, die für ein paar Wochen mir
hier Gesellschaft leisten wird! Viel kann ich über sie noch nicht sagen. Ich
weiß bisher eigentlich nur, dass sie Magdalena heißt.
2) Was
gibt es denn so zum Essen, was schmeckt dir am besten, was am wenigsten?
è Fangen
wir mal bei Tagesbeginn an. Morgens gibt es Marmeladenbrot mit Kaffee oder Tee.
Außer am Wochenende, da wird bei Hildegart gefrühstückt. Das beste Frühstück in
ganz Tansania!!! Tomaten, Eier (gekocht und gespiegelt ;-) ), mit Wurst,
(Salami, Schinken oder Zwiebelwurst) mit Käse ( Camembert, Streich- und
Schnittkäse) und diversen Marmeladen (Pflaumen-, Orangen-, Ananas- und
Erdbeermarmelade) und zu guter Letzt dürfen natürlich das Obst (Papaya, Ananas,
Äpfel), die Plätzchen und Nüsse nicht vergessen werden.
Also ihr sehr ich werde von Hildegart bestens
versorgt!
Mittags gibt es entweder Reis, Kartoffeln,
Ugali oder ab und zu sogar selbstgemachte Nudeln (Spätzle oder Spagetti). Dazu
gibt es entweder Hühnchen oder Schweinefleisch und natürlich Bohnen in Erdnuss-
oder Kokosnusssoße oder auch Weißkraut oder Spinat.
Als ich mal einen schlechten Tag zu verdauen
hatte, ist mir zufällig die Köchin begegnet. Natürlich hat sie gemerkt, dass es
mir nicht so gut geht und deshalb extra für mich Pizza gemacht, damit ich auf
andere Gedanken komme. Total süß! Sie ist ein so netter Mensch und ich verstehe
mich sehr gut mit ihr. Zwar Kommunizieren wir nur mit Händen und Füßen und
meinem bisschen Kisuaheli miteinander, aber es klappt. Sie hat mir sogar schon
ihr Rezept für den Zitronenkuchen verraten und gezeigt. Den haben wir dann auch
gleich noch, schön warm wie er war, zusammen verdrückt. Köstlich!!
Für den Abend habe ich mir das Essen aus der
Küche abbestellt, da ich nicht zweimal am Tag warm essen und außerdem nicht als
Kugel nach Deutschland zurückkommen möchte. Also esse ich ein Wurst oder
Käsebrot.
Essen tue ich hier alles! Es schmeckt
wirklich sehr sehr gut! Ich verhungere nicht! Nein ganz im Gegenteil!! ICH
NEHME ZU!!! Sehr zu meinem bedauern!!!
5)Gibt es eine Möglichkeit Sachspenden an
euch zu senden? Natürlich keine LKW Ladungen, aber kleinere Spenden. Dann würde
ich mich mal um Materialien wie Braunülen für Kinder usw kümmern. Ob das so
klappt kann ich natürlich nicht versprechen. Gibt es denn in Deutschland
Menschen die regelmäßig zu euch kommen und etwas transportieren könnten?
à
Puuuuh das ist eine schwierige Frage! Also ich weiß, dass im November ein
Container von Deutschland nach Litembo geschickt werden soll. Weitere Infos hat
mein Vater und er nimmt hoffentlich mit dem Zuständigen Kontakt auf. Bitte
fragt ihn in diesen Dingen.
Ansonsten kann man es mit Päckchen versuchen,
jedoch weiß ich nicht ob die ankommen oder überhaupt durch den Zoll gelassen
werden.
Regelmäßige Besucher gibt es auch eher
weniger! Und der Punkt mit anderen Organisationen glaube ich ist auch eher
schlecht. Aber darüber bin ich nicht informiert!
6) Schon Volleyball oder Fußball gespielt?
Was machst du so in deiner Freizeit oder nach
Dienstschluß, wenn du nicht gerade einen Ausflug oder eine Safari machst? Hast
du schon Kontakte knüpfen können. Eine Freundin hast du ja schon gefunden.
è Nein!!! Das ist etwas schwieriger als
gedacht!! Die Doktoren spielen kein Volleyball mehr, da sie keinen Volleyball
mehr haben und außerdem nur noch zu zweit sind. Als ob man nicht einen kaufen
könnte! Denn es gibt doch mehr zu kaufen, als man sich eigentlich vorstellen
kann. Fußball ist, wenn überhaupt nur einmal im Monat und dann nur für Männer.
(Sie haben mich ganz komisch angeschaut, als ich danach fragte und dann war es
für mich klar, dass da eine Frau unerwünscht ist.)
Aber ich habe ja noch meine Laborschüler!!
Und da haben sich nun so manche Türen aufgetan. Ab und zu tanzen die Mädels
Modern Dance oder spielen Netball. Bin mal gespannt, morgen werde ich nämlich
das erste Mal mit Netball spielen. Mal sehen wie ich mich da so anstelle. Die
Jungs spielen ab und zu Fußball.
Also Folgerung: Jungs und Mädels machen
getrennten Sport, niemals zusammen!!!
7) Wie ist es so mit der Hirarchie im
Krankenhaus? Arbeiten die Ärzte und Schwestern eng zusammen oder bilden sie
eher zwei, voneinander getrennte, Gruppen?
à Das
ist eher schwierig zu beantworten. Ärzte fällt schon mal weg, da wir hier nur 2
Stück haben. Das Nächste wäre Clinical Officer, dann Nurse und Nurseassistence.
Alle sind ein Team, aber jeder hat seine speziellen Aufgaben. Es wird schon
miteinander geschäkert und gelacht. Es
ist einfach ganz anders als in deutschen Krankenhäusern. Das kann ich nicht
beschreiben. Auf jeden Fall ist es hier eine Gemeinschaft die zusammenhält, so
kommt es mir zumindest vor. Ich denke, dass es auch sehr viel damit
zusammenhängt, dass man hier „miteinander Wohnt“ und keiner alleine. D.h. in
einem kleinen Haus wohnen z.B. mehrere Nurces zusammen mit ihren Familien.
9)Werden die Patienten von ihren Familien
versorgt? Nur in Sachen Essen, oder auch bei der Pflege?
à Die
Patienten werden rund um die Uhr von ihren Familien versorgt. D.h. die
Angehörigen kochen für ihre Kranken, waschen sie und deren Kleidung sowie
auch das Bett und die Krankenzimmer. Das
einzige was die Angehörigen nicht machen, ist den Patienten die Medikamente
geben. Dafür sind die Nurces zuständig. Aber einige Angehörige sorgen auch
dafür, dass die Nurces die Medikamente nicht vergessen und dass sie diese den
Patienten zur rechten Zeit verabreichen.
Sooo ich bin mal am Ende
angelangt!! Ich hoffe ich konnte euch fast alle eure Fragen beantworten,
ansonsten schreibt es einfach auf den Blog dann werde ich es noch machen ;-)
Ich grüße euch alle ganz
herzlich aus dem inzwischen sehr heißen Litembo. Geschätzte 35°C dürften,
glaube ich, hinkommen. Ich habe gehört ihr friert alle inzwischen schön!? Naja
das kann ich von mir hier wirklich nicht behaupten;-)
Badai
Eure Nele
Samstag, 15. Oktober 2011
Neues aus Neles neuem Leben
Die Arbeit auf der Kinderstation macht mir sehr viel
Freude. Ich kann inzwischen schon kräftig mithelfen. Meine Arbeit besteht ua. darin
bei den Visiten mitzuhelfen, indem ich mitprotokolliere. Auch werde ich jeden
Tag aufs Neue gefragt, ob ich nicht einen Zugang legen möchte. Jeden Tag lehne
ich es wieder ab, da es gar nicht so leicht ist bei den Kindern eine Vene zu
finden. Zum einen, weil einige ziemlich unterernährt sind, zum anderen wegen
ihrer dunklen Haut. Die Krankenschwestern haben selber dabei ihre Schwierigkeiten
und müssen es oft mehrmals probieren. Die meisten Medikamente die wir auf der
Kinderstation benötigen sind Ampicillin, Paracetamol und Quinine.
Jeden Tag betrete
ich mit gemischten Gefühlen die Kinderstation. Was wird mich heute erwarten?
Hoffentlich ist kein Kind über Nacht gestorben? Wie viele Neuzugänge haben wir?
Wird das Kind es überleben?
Am Mittwoch habe ich das erste Mal miterlebt wie ein 3
Monate altes Baby sterben musste. Man konnte nichts mehr für das Baby tun. Es
lag einfach nur auf seiner Liege und ist so langsam aber sicher dem Leben
entwischt. Es war zu spät, die Ärzte haben sich nicht mehr getraut es zu
operieren. Wäre die Mutter ein paar Tage oder auch nur ein paar Stunden früher
gekommen, wäre es eine kleine OP gewesen, aber natürlich war es jetzt schon
viel zu spät. Der Kleine ist an inneren Blutungen langsam und elendig gestorben.
Wir konnten nur zusehen, abwarten und hoffen, dass er es bald geschafft hat!!
Krass!!!
Am gleichen Tag, als wäre es heute nicht schon genug
gewesen, ist noch ein weiteres Baby von uns gegangen. 7 Tage war es alt. Es hat
geschrien wie am Spieß, bis es still war und keinen Mucks mehr von sich gegeben
hat. Ich weiß nicht wieso, weshalb, warum!!
Ich weiß nur, dass ich für diesen Tag erledigt war.
Zweimal konnte man einfach nur zuschauen und nichts dagegen tun. Zweimal war es
zu spät! Beide hätten eigentlich nicht sterben müssen, wären die Eltern früher
ins Krankenhaus gekommen. In Deutschland wäre so etwas gar nicht möglich! Aber
hier ist es alltäglich!!
Alle Kinder hier sind so tapfer!! Das ist unglaublich!!
Wir haben im Krankenhaus z.B. nur eine
Nadelgröße! Die ganz dicken, großen Nadeln. Auch für die Kinder! Würde ich als
Kind solche in meinen Arm bekommen, ich glaube ich würde schreien, treten,
wegrennen. Ach ich weiß es nicht! Auf jeden Fall weiß ich, dass ich es nicht
einfach so, wie diese Kinder,es über mich ergehen ließe!
Aufregend ist es zu sehen, wie hier geputzt wird. Ob es
wirklich richtig was bringt bezweifle ich! Ich glaube eher, dass der Dreck nur
vom einen ins andere Eck gewischt wird.
Auch wird das Selbe Wasser für alle Räume verwendet. Geputzt wird
folgender Maßen: Der Raum wird geflutet, dann wird das Wasser mit einem
Schrubber im ganzen Zimmer verteilt und zum Schluss mit einem Lappen wieder
aufgesaugt. Als nächstes wird mit demselben aufgesaugten Dreckwasser der
nächste Raum wieder geflutet! Sinnvoll?!
Auch kann ich nicht verstehen warum die Krankenschwestern
so oft vergessen Handschuhe an zuziehen. Hier sind wirklich genügend vorhanden
und trotzdem sparen sie an allem. Leider auch an den Handschuhen. Für das Putzen
ziehen sie welche an und zum Zugang legen, wo wirklich ab und zu viel Blut
fließt, ziehen sie leider keine an. Da kann ich nur den Kopf schütteln und
sagen, wie kann man nur so dumm sein. Andererseits denke ich mir. Naja
vielleicht wissen sie, dass sie schon mit verschiedenen anderen Krankheiten
infiziert sind und nun eh nicht mehr aufpassen müssen. Aber ich weiß es nicht!
Ist nur so eine Überlegung von mir! Hier wird ja eh so viel verheimlicht und
vertuscht!
Vor kurzem wurde eine der Krankenschwestern von einer
Schlange gebissen. Hier im Krankenhaus gibt es kein Gegengift, da es viel zu
teuer ist und es sich eh niemand leisten kann. Auch ist die Aufbewahrung eines
solchen Gegenmittels ziemlich aufwändig. Und so hat man der Frau, anstelle von
dem Gegengift, schwarze Steine auf den Biss gelegt, mal sehen ob die helfen.
Man kann eigentlich nur hoffen, dass es keine Giftschlange gewesen ist,
ansonsten, daran will ich nicht denken.
Erfreulich ist, dass die Stationsleiterin von der
Kinderstation sehr nett zu mir ist. Sie ist nicht viel Älter als ich, 24. Ihr
Name ist Bernadeta. Es macht wirklich sehr viel Spaß mit ihr zusammen zu arbeiten.
Auch ist es toll von ihr, dass sie mir so geduldig Kiswahili beibringt. Sie ist
eine fabelhafte Lehrerin;-)
Am Donnerstag war der 13. und jeden Monat am 13 ist ein
großer Markt in Litembo. Also war ich natürlich dort, wie alle hier. Bernadeta
hat mich nämlich gefragt, ob ich mit ihr hin möchte. Da hab ich natürlich nicht
nein gesagt. Der Markt ist echt schön. Aber es ist ziemlich nervig, dass man
von allen angestarrt, als Wasungu bezeichnet und angelangt wird. So habe ich es
nicht mal gemerkt, obwohl ich wirklich sehr aufgepasst habe, da mich Bernadeta
schon vorgewarnt hat, dass ich beklaut werde. Nun habe ich kein Handy mehr! Na
toll! Das ist echt schlimm hier! Die Diebe sind wirklich sehr geschickt! Bei
ihr haben sie es auch versucht, sie hat es zum Glück gemerkt! Jetzt muss ich
sehen, wo ich ein neues Handy kaufen kann. Das ist gar nicht so einfach hier!!
Entweder in Mbinga oder in Songea, aber wann ich da das nächste Mal dort hinkomme
weiß ich noch nicht! Also heißt es für mich nun erst mal - ohne Handy leben!
Das ist hier sehr schwierig, da sehr viel miteinander telefoniert wird. Zum
Trost hat mich Bernadeta zu sich nach Hause mitgenommen zum Mandazi essen. Das
sind kleine Teigküchle, die im Fett gebacken sind und dadurch nur so von Fett
triefen. Aber leider, sehr zum Nachteil für die Figur, vorzüglich schmecken.
Auf dem Markt habe ich das erste Mal in meinem Leben Moa
(Zuckerrohr) gegessen. Mega süß und lecker! Aber es ist eine Kunst es zu essen!
Zurzeit habe ich 4 kleine Hundebabys hier im Garten. Zwei
darf ich hierbehalten, die anderen beiden werden bald verkauft. Dann habe ich
wenigstens zwei Wachhunde, die hier auf mich aufpassen und außerdem bin ich
nicht mehr so alleine ;-)
Naja so ganz alleine war ich noch nie, da ich immer
unerwünschte Gäste in meinem Zimmer habe. Ob Maus oder Gecko, Wurm oder Flöhe.
Irgendwer ist immer da. Leider! Aber jetzt habe ich raus gefunden, wie ich den
Flohbefall in meinem Zimmer bekämpfen kann. Mit Anti Brumm! Das ist das Einzige,
was gegen dieses Ungeziefer hilft. Nein ich mache keine Schleichwerbung!! Das
ist die wahre Tatsache. Gegen diese Tiere helfen kein Autan und auch kein
Nobite. Es hilft nur Anti Brumm ;-)
Letzten Freitag hatte ich die Möglichkeit mit nach Mbinga
zu fahren. Da habe ich dann mal Kobi, einen anderen Freiwilligen, besucht. Wie
haben etwas das Städtchen erkundet. Wirklich hübsch.
Die Fahrt nach Mbinga und wieder zurück war sehr
aufregend. Es war nämlich die letzten Tage über kein schönes Wetter. Genau das
Gegenteil wie man sich das Wetter in Afrika vorstellt! Regen und Kälte!
Dementsprechend sahen auch die Straßen aus. Die Fahrt dauerte anstatt den normalerweise
45 Minuten ca. 1,5 Stunden und war noch holpriger und rutschiger, als sie eh
schon ist. Auf der Fahrt haben wir auch mehrere Unfälle gesehen. Deswegen war
ich heil froh, als ich wieder in Litembo ankam.
Wie ihr seht bzw. lest merkt ihr, dass es mir gut geht,
aber dass das Leben hier gar nicht so einfach ist. Oftmals bzw. eigentlich
immer noch vergleiche ich Situationen hier mit Deutschland. Aber damit muss ich
endlich aufhören. Man kann das Leben, das Krankenhaus und die Arbeit im
Krankenhaus hier, nicht mit dem in Deutschland vergleichen. Das ist unmöglich!!
Wir müssen es mehr schätzen lernen, was wir eigentlich
alles in Deutschland haben!!! Wie gut es uns doch in Deutschland geht!! Was für
einen Luxus wir haben!!
Die Menschen hier haben den ganz bestimmt nicht!! Aber
sie sind trotzdem glücklich und leben zufrieden!
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